Dorf im Jahresablauf   .. im Frühjahr   .. im Sommer   .. im Herbst 
 .. im Winter   Starke Pferde   Unsere Kauf-DVD 

 

Dorf im Jahresablauf

 

Auf dem Museumsbauernhof ist immer was los!

Beim Bauernhof kommen die Tiere zuerst! Das war und ist am Morgen die erste Arbeit auf dem Bauernhof: Pferde, Schafe, Ziegen, die Hunde und das Federvieh werden gefüttert - draußen oder im Stall – und kommen dann erstmal an die frische Luft, damit die Ställe gesäubert bzw. ausgemistet werden können. Natürlich müssen auch die Außengehege täglich gesäubert werden.



Spätestens am Abend verschwindet das gesammelte Getier wieder im Stall. Darüber freut sich besonders das Federvieh, schützt die Geborgenheit im Stall doch vor den Angriffen von Füchsen, Krähen und Raubvögeln!

Die tägliche Pferdepflege

Auch Pferde brauchen die tägliche "Morgentoilette" - spätestens vor dem Ausflug durchs Dorf! Nicht nur das Fell muss geputzt und gestriegelt werden, ebenso wichtig ist die sorgfältige Pflege der Hufe. Nach getaner Arbeit ist der Stall natürlich blitzsauber – das Stroh wird täglich aufgeschüttelt, nachgestreut oder ersetzt.

Geländepflege

Auch auf dem Gelände haben der Museumsdorf-Landwirt und seine Helfer immer etwas zu tun. Da bleibt kein mitgeschleppter Strohhalm und kein "Pferdeapfel" liegen! Hin und wieder sind auch Reparaturen an den Zäunen erforderlich, schließlich sollen die Tiere auf der Weide bleiben…



Und der Haushalt?

Gelegentlich befasste sich die Bauernfamilie auch mit der Anfertigung von Seilen, und es fallen immer wieder diverse Holzarbeiten an: Holz hacken für das Herdfeuer und kleine Ausbesserungen, Tischler- und Zimmererarbeiten gehören dazu, genauso das Binden eines neuen Reisigbesens. Alles das können auch unsere Gäste ausprobieren!



Ursprünglich gab es für die Bewohner fünf Mahlzeiten pro Tag – angefangen mit dem Frühstück nach der Viehfütterung mit Buchweizengrütze oder –pfannkuchen oder einer kräftigen Gemüsesuppe mit Speck. Fleisch gab es eher selten, vornehmlich am Wochenende oder nach dem Schlachttag. Die saisonabhängige Verpflegung stammte weitgehend aus eigener Produktion. Etwa alle 3 - 4 Wochen wurde gebacken – das Brot war also nicht immer so frisch, wie es bei den Museumsdorf-Veranstaltungen verkauft wird. Und wie anstrengend das Buttern ist, davon kann mancher Besucher ein Lied singen!

Wäsche waschen war um 1900 mit viel Aufwand verbunden. Die Museumspädagogen zeigen, wie es damals war. "Die spinnen ja!" ist der erstaunte Ausruf unserer Besucher, wenn die Museumsbäuerinnen die Woll- oder Flachsverarbeitung demonstrieren.



 

Raus aufs Feld – das Frühjahr beginnt!

März – April – Mai

Besonders im Frühjahr spielt das Wetter für die Landwirtschaft seit jeher eine wichtige Rolle! Jeder Bauer kannte die traditionellen Wetterregeln:

Drögen März – natten April.
Tru eener den April, de deit doch wat he will!
Is’t koolt un windig in‘n Mai, singt de Buer juchhei!
Ok af un an maal Dunner un Blitz is so recht na siener Mütz.

 

Die „Rösslein“ anspannen…

Das heißt im Museumsdorf, dass mithilfe der schweren Kaltblüter die Felder bestellt werden, vornehmlich im März. Zur Düngung wird Mist mit dem Pferdefuhrwerk aufs Feld gefahren und – ebenfalls mit Pferdekraft – untergepflügt. Anschließend wird mit der pferdegezogenen Drillmaschine die Saat ausgebracht, in anderen Jahren legen die Frauen jetzt die Kartoffeln.



Schon im Mai ist auf der von den Museumsbauern gepachteten Hamraa-Koppel in Bergstedt der erste grüne Schimmer zu sehen…

Kohlhoff und Kräutergarten werden umgegraben, das Unkraut wird entfernt und alles neu angesät. Und das Unkraut gedeiht prächtig, nicht nur im März!



Der Nachwuchs ist da!

Nachwuchs erwarten wir nicht nur bei den Feldfrüchten. Inzwischen kommen auch (und nicht nur) die im Winter geborenen Lämmer mit ihren Muttertieren nach draußen. Das Museumsdorf wird zum lebendigen Museumsdorf, wo es nun kräht, gackert, schnattert, wiehert, blökt, määt, bellt oder die Gänse laut kreischen.



 

Endlich Sommer!

Juni – Juli – August

Nun wächst und gedeiht alles, und der Bauer hofft auf eine reiche Ernte – und dass das Wetter mitspielt…

Juni natt un koolt, ward dat Korn ni oolt.
De Julisünn arbeit för twee.
Natter August makt dürre Kost.



Ein ganzes Feld voller Arbeit

Das Getreide ist reif, die Museumsbauern ziehen mit der Sense aufs Feld, schneiden die Garben und stellen sie erstmal in Hocken zum Trocknen auf, damit die Ernte dann später mit Pferd und Wagen zum Museumsbauernhof transportiert werden kann. Dort wartet schon die historische Dreschmaschine vor dem Harderhof oder eine Gruppe von Museumsbauern mit dem Dreschflegel auf der Diele. Zwischendurch lockt ein Ausflug „ins Blaue“ – zum Unkraut jäten auf dem Flachsfeld, denn für ordentliches Gedeihen muss das Feld mit den kleinen blauen Blüten sorgfältig gepflegt werden. Auf den Wiesen ist es an der Zeit, das Heu zu mähen. Es wird zum Trocknen ausgebreitet, mehrmals gewendet und dann mit dem hoch beladenen Pferdefuhrwerk zum Hof gebracht, wo es für den Winter als Futter gelagert wird.



Jetzt ist das Obst und Gemüse reif

Der Sommer geht langsam zu Ende, fleißige Helfer ernten das Obst und Gemüse – für den Verkauf in Emmis Krämerladen oder bei den Fest- und Gewerketagen. Am Bauerngarten hinter dem Harderhof sind die Küchenkräuter aufgelaufen, und bunte Blumensträuße stehen zum Verkauf. Kommen Sie vorbei, greifen Sie zu!

Auch in nicht so heißen Sommern freuen sich die Schafe, wenn sie im Juni endlich ihre Wolle loswerden. Die Schweine genießen es, wenn sie ab und an mit dem Gartenschlauch abgeduscht werden.

 

Die Früchte der Arbeit werden geerntet

Herbst (September, Oktober, November)

Das letzte Obst und Gemüse wird geerntet und für den Winter haltbar gemacht. Der Bauer freut sich auf einen sonnigen Spätsommer und goldenen Oktober.

Septemberregen is de Buern an gelegen.
Bringt Oktober warm We’er, kümmt koler Winter achterher.
Sankt Martin will Füer in’n Kamin.

 

Erntefest - dem Himmel sei Dank!

Ende September / Anfang Oktober steht das Erntedankfest an – oder beim Museumsdorf der große Festtag „Erntefest“. Die Krönung ist der Umzug durch Volksdorfs Straßen mit den "Marktleuten" und zahlreichen üppig geschmückten Pferdegespannen, die mit der Erntekrone durchs „Dorf“ fahren.



Kurz danach laden die Spiekerlüüd und auch auswärtige Händler zum Herbstmarkt ein – mit Kartoffeln, Gemüse, Fleisch, Honig, Brot... alles frisch vom Erzeuger! Nun kommt die Zeit für eine kräftige Gemüsesuppe! Für den Winter bereiten die Spiekerlüüd leckere Marmeladen zu, die es dann dort und auch später bei Tante Emmi zu kaufen gibt.

Letzte Arbeiten auf dem Feld

Jetzt müssen die Felder mit Pflug und Egge auf die Winterruhe vorbereit werden. Die Jagdsaison ist eröffnet, und das Museumsdorf feiert ein ums andere Jahr den Hubertustag mit Informationen über die Jagd und einem Gottesdienst.

 

Viel Arbeit im Bauernhaus

Winter (Dezember, Januar, Februar)

Nach den alten Bauernregeln bietet das Winterwetter einen Ausblick auf das Wetter im kommenden Jahr.

Witte Wiehnachten – grööne Oostern,
grööne Wiehnachten – witte Oostern.
Januaar hell un witt, bringt in’n Sommer grote Hitt.
Wenn de Noordwind in’n Februwaar ni will, kümmt he seker in’n April.

 

Zeit für die Arbeit zuhause

Die Arbeit auf den Feldern und im Garten ist nun abgeschlossen. Dafür gibt es auf dem Museumsbauernhof reichlich häusliche Arbeiten, die während der Erntesaison liegen geblieben sind.

Für die Pferde gibt es noch diverse Einsätze beim Holzrücken, bei dem die abgeholzten Baumstämme zum Abtransport an die Zuwege gezogen werden. Eher vergnüglich – vor allem für unsere Museumsbauern – sind gelegentliche Ausflüge mit dem Pferdeschlitten, wenn die Wege und Straßen unter einer Schneedecke verschwunden sind.



Nur fünf Grad wärmer als draußen

In den Häusern ist es kalt, die Innentemperatur liegt trotz Aufstallung der Tiere und loderndem Herdfeuer kaum mehr als 5 °C über der Außentemperatur. Und ein loderndes Herdfeuer setzt voraus, dass genügend Holz eingelagert, die trockenen Holzscheite zurechtgesägt und kleingehackt wurden!



Aus dem über das ganze Jahr bearbeiteten Flachs können Frauen, Kinder und Altenteiler endlich Leinengarn spinnen, Wolle waschen, kardieren, spinnen und vielleicht sogar färben. Bis Ende Februar bleibt den Frauen viel Zeit zum Stricken, Nähen und Weben – auf den Webstühlen sind oft die halbfertigen Tücher zu bewundern.

Außerdem müssen die Nahrungsmittel so aufbereitet werden, dass es den ganzen Winter hindurch genug zu essen gibt. Obst und Gemüse werden eingelagert, eingelegt oder eingekocht, das Fleisch zum Trocknen und Räuchern im Flett aufgehängt oder zu Wurst verarbeitet.

 

Starke Pferde

"Arbeit für starke Pferde", ein Projekt des Museumsdorfes Volksdorf.

Das Museumsdorf Volksdorf ist nicht nur ein Platz, an dem schöne alte Häuser und ihr Inventar bewahrt und gezeigt werden. Es ist der historische Ortskern eines Bauerndorfes, der den Zeitraum des 19. Jahrhunderts repräsentiert und, jedem frei zugänglich, immer noch ein Teil des Dorfes ist. Hier wird an den Gewerke- und Thementagen und im museumspädagogischen Unterricht gezeigt, wie die Menschen früher gelebt und gearbeitet haben. Leider sind jedoch im Laufe der Jahrhunderte die Arbeitsflächen durch Bebauung verloren gegangen, so dass es ein landwirtschaftliches Museum ohne Land ist.



Der Trägerverein "De Spieker" möchte aber nicht nur das Dorfleben von vor 150 Jahren zeigen, sondern auch die dazugehörige Landwirtschaft, ohne die ein Überleben zu dieser Zeit unmöglich gewesen wäre, denn zu dieser Zeit waren die Menschen Selbstversorger. Alles, was sie zum Leben brauchten, musste selbst angebaut und erzeugt werden. Dies geschah in unserer Region überwiegend mit Pferdekraft. Gerade die Arbeit mit Pferden und den dazugehörigen Maschinen gerät aber immer mehr in Vergessenheit. Der Verein sieht es als eine seiner Aufgaben an, diese Arbeiten im Jahreslauf zu zeigen. Er wird in diesem Bemühen im Rahmen des Projektes "Menschen brauchen Landwirtschaft" sogar von der EU unterstützt.

Für das Pferdeprojekt wurden Kooperationspartner aus Landwirtschaft und Umwelt gesucht, die geeignetes Kulturland in erreichbarer Nähe zur Verfügung stellten. Es wurden zwei Kaltblutpferde angeschafft, die man auf die harte Arbeit trainieren und denen man die verschiedenen Arbeitsabläufe beibringen konnte. Außerdem mussten die Pferde an die zum Teil monströsen und Lärm verursachenden Maschinen gewöhnt werden. Im Museumsbetrieb war es außerdem erforderlich, dass die Tiere auch vor Publikum ruhig ihre Arbeit verrichten und absolut straßensicher vor jedem Wagen gehen.



Die Menschen, die mit ihnen arbeiten, müssen dafür ausgebildet sein und mindestens einen Fahrschein Klasse IV besitzen. Da zunächst kein Mitarbeiter für die Arbeit mit den Pferden finanziert werden konnte, wurden sie überwiegend ehrenamtlich betreut und gingen, wenn die Übungen in der Land- und Forstwirtschaft ihnen dafür Zeit ließen, vor der Kutsche. Die ehemalige Projektleiterin des Teams, in Volksdorf und mit Pferden aufgewachsen, machte dafür den Fahrschein IV und den Gespannführerschein. Viele Volksdorfer lassen sich auch heute noch in der TÜV-geprüften Wagonette durch ihr Dorf und die schöne Umgebung fahren, oder spendieren ihren Kindern die Fahrt zum Geburtstag.

Es wurden Maschinen angeschafft, repariert und, soweit nötig, wieder auf Pferdezug umgebaut, denn viele waren in den 50er und 60er Jahren auf Treckerzug umgerüstet worden. Der Museumswart des "Dorfes" ist gelernter Schmied und Schlosser und in der Landwirtschaft im Elb-Havel-Winkel aufgewachsen, wo noch bis zur Wende mit Pferden gearbeitet wurde. Er kennt sich mit der Technik aus und machte für das Projekt, das er inzwischen als Leiter übernommen hat, ebenfalls den Fahrschein IV und den Gespannführerschein.



Das Pferdeteam des Vereins beantragte Fördergelder bei mehreren Umweltstiftungen und versuchte, private Sponsoren für das Projekt zu gewinnen. Die Projektidee begeisterte auch viele Bürger der Walddörfer und der Umgebung. Aus diesem Grund gibt es jetzt einen Kreis von Spendern und Förderern, mit deren Hilfe es möglich wurde, gemäß dem alten Lied "Im Märzen der Bauer die Rösslein anspannt..." die "Arbeit für starke Pferde" zu beginnen. Der Verein verfügt inzwischen über eine Vollzeit-Mitarbeiterstelle für die Betreuung der Pferde. Das Team freut sich über diesen dringend benötigten Zuwachs an engagierter Arbeitskraft und hofft, dass es dieses einmalige Projekt nicht nur erhalten, sondern immer weiter ausbauen kann. Neue Pferdeförderer werden natürlich gern in den Förderkreis aufgenommen.